Studie: Kontakt mit Haustieren vor der Geburt und in den ersten Monaten könnte vor Allergien und Übergewicht schützen

„Wenn du schwanger wirst, schafft ihr die Katzen ab, oder?“ Diese Frage (oder besser Feststellung) habe ich oft zu hören bekommen. Die Argumente liegen auf der Hand: Haustiere sind unhygienisch und Kleinkinder, die mit Tieren aufwachsen, haben ein höheres Allergierisiko. Zumindest glauben das viele Menschen.

Die Forschung erzählt eine andere Geschichte. 1989 postulierte David Strachen, dass die Entstehung von Allergien durch übermäßige Hygiene begünstigt wird. Spätere Studien zeigten, dass Kontakt mit Haustieren, insbesondere mit Hunden, während Schwangerschaft und Kleinkindalter das Risiko von Allergien, verschiedenen Stoffwechselerkrankungen und Übergewicht reduzieren.

Eine kanadische Forschergruppe hat nun untersucht, inwieweit Kontakt mit pelzigen Haustieren die Darmflora von 746 Säuglingen beeinflusste. Dabei konnten die Forscher feststellen, dass es zu einer Übertragung von Darmbakterien vom Haustier auf den Säugling kommt. Ein Grund zur Panik? Im Gegenteil! denn die übertragenen Bakterien haben gesundheitsfördernde Eigenschaften.

Die Zusammensetzung der Darmflora hat vielfältige Auswirkungen für unsere Gesundheit.Verschieden Studien zeigten, dass eine artenreiche Darmflora das Risiko für Nahrungsmittelsensibilisierungen und Allergien senkt. Bei den untersuchten Säuglingen zeigte sich, dass Haustierkontakt mit einer artenreichen Darmflora einhergeht.

Zu den interessanten Darmbakterien, die bei den Säuglingen mit Haustieren gefunden wurden, zählt die Gattung Oscillospira, die vor allem im Darm schlanker Menschen vorhanden ist und mit dem schlankheitsfördernden Bakterium Christensenella minuta assoziiert wird. Es besteht daher die Möglichkeit, dass diese Säuglinge ein vermindertes Risiko für Übergewicht haben.

Häufiger als bei Säuglingen ohne Haustiere war auch das Bakterium Ruminococcus, dass wachstumshemmend auf Streptokokken wirkt. Tatsächlich wurden weniger Streptokokken bei diesen Säuglingen gefunden. Streptokokken sind unter anderem Auslöser für Entzündungen der Atemwege, Mittelohrentzündung, Meningitis, Endokarditis, Scharlach und akutem rheumatischen Fieber.

Die Studie kann keine Auskunft über die genauen Zusammenhänge geben und die Autoren weisen darauf hin, dass mehr Forschung nötig ist, um den Einfluss der haustier-verursachten Veränderungen der Darmflora auf die Gesundheit zu verstehen. Für uns Haustierhalter ist es aber ein weiterer Hinweis darauf, dass Haustiere gut für die Gesundheit ist. Auch und vielleicht vor allem für die ganz kleinen Haustierfreunde.

Quelle

Tun, H. M. et al. (2017). Exposure to household furry pets influences the gut microbiota of infant at 3–4 months following various birth scenarios, 1–14.

zitierte Studien:

Lodge CJ, Allen KJ, Lowe AJ, Hill DJ, Hosking CS, Abramson MJ, Dharmage SC. (2012) Perinatal cat and dog exposure and the risk of asthma and allergy in the urban environment: a systematic review of longitudinal studies. Clin Dev Immunol. 2012:176484.

Lodrup Carlsen KC, Roll S, Carlsen KH, Mowinckel P, Wijga AH, Brunekreef B, Torrent M, Roberts G, Arshad SH, Kull I, et al. (2012) Does pet ownership in infancy lead to asthma or allergy at school age? Pooled analysis of individual participant data from 11 European birth cohorts. PLoS One. 7(8):e43214.

Havstad S, Wegienka G, Zoratti EM, Lynch SV, Boushey HA, Nicholas C, Ownby DR, Johnson CC. (2011) Effect of prenatal indoor pet exposure on the trajectory of total IgE levels in early childhood. J Allergy Clin Immunol. 128(4):880–85. e4.

Cassidy-Bushrow AE, Wegienka G, Havstad S, Levin AM, Lynch SV, Ownby DR, Rundle AG, Woodcroft KJ, Zoratti EM, Johnson CC. (2015) Does pet-keeping modify the association of delivery mode with offspring body size? Matern Child Health J. 19(6):1426–33.

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