Wenn Katzen älter werden

Bis vor kurzem galten Katzen ab einem Alter von 10 Jahren als alt. Doch inzwischen ist die Lebenserwartung bei Hauskatzen so stark gestiegen, dass diese Bezeichnung erst bei Katzen ab 15 Jahren angewandt wird. Die Lebenserwartung der einzelnen Katze ist aber schwer vorhersehbar, und manche Alterserscheinung tritt früher auf, als vielleicht erwartet.

Alter ist keine Krankheit, doch es bringt viele Veränderungen mit sich, die die Lebensqualität der Katze einschränken können. So wird das Fell im Alter dünner und grauer, die Krallen werden dicker. Katzen verlieren Gewicht und der Allgemeinzustand verschlechtert sich. Bei manchen Katzen verändert sich die Augenfarbe und die Linsen trüben sich.

Ältere Katzen brauchen mehr Aufmerksamkeit, wenn es um ihre Gesundheit geht, und so empfiehlt sich ein jährlicher Tierarztbesuch, selbst, wenn man die Katze nicht impfen will. Solche Besuche helfen, frühzeitig Veränderungen wahrzunehmen, die das Wohlergehen der Katze einschränken. Wichtig ist aber auch, die Katze zu Hause zu beobachten, denn Katzen überspielen ihre Beschwerden gerne. Beispielsweise zeigen arthritische Schmerzen sich selten auf dem Behandlungstisch.

Hier sind einige Dinge auf die sie achten sollten, wenn ihre Katze älter wird. Nicht alles muss und kann behandelt werden, aber als Halter können Sie Ihrer Katze das Leben erleichtern, wenn sie aufmerksam sind:

Symptome des Alterns

Verändertes Schlafverhalten

Wie alte Menschen werden auch Katzen im Alter oft verwirrt. Auch arbeitet die innere Uhr der Katzen anders. Schlafmuster verändern sich, die Katze schläft öfter. Orientierungsprobleme und Schmerzen können das aufsuchen eines Ruheplatzes erschweren. Bieten Sie viele unterschiedliche Schlafplätze an. Achten Sie auf ruhige Orte, aber auch auf Plätze, an denen die Katze entspannt die Umgebung beobachten kann. Die Fähigkeit zu Klettern kann abnehmen, also richten Sie auch leicht zugängliche Plätze ein.

Die Katze wird launiger

Schmerzen und schlechtere Sinneswahrnehmung können dazu führen, dass Ihre Katzen auf Veränderungen und Störungen gereizter reagiert. Achten Sie auf ruhige Rückzugsbereiche, besonders auch vor anderen Haustieren und Kindern. Pheromone wie Feliway können helfen, Ihre Katze zu entspannen. Haben Sie Geduld mit Ihrer Katze.

Verändertes Fressverhalten

Massive Gewichtszunahme im Alter kann Hinweis auf eine Krankheit sein oder durch verminderte Aktivität entstehen.

Beschwerden an Zähnen (z.B. FORL) und Zahnfleisch können das Fressen erschweren. Auch die Verdauung kann im Alter beeinträchtigt sein. Die Wahrnehmung von Gerüchen ändert sich, das Futter ist also vielleicht weniger attraktiv für die Katze. Beobachten Sie Ihre Katze beim Fressen. Füttern Sie anderes Futter, beispielsweise gewolfftes Fleisch statt Stücken, füttern sie häufiger und in kleinen Mengen. Achten Sie auf die richtige Temperatur des Futters. Manche Katzen mögen es, wenn sie beim Essen Gesellschaft haben. In diesem Fall streicheln Sie Ihre Katze und reden Sie mit ihr. Auch Füttern aus der Hand kann den Appetit anregen.

Reden Sie mit Ihrem Tierarzt, denn verschiedene Krankheiten beeinflussen die Nahrungsaufnahme. Das ist besonders bei vermehrtem Fressen zu beachten.

Mitunter kann die Katze das Futter aber auch nicht mehr erreichen. Erhöhen Sie den Futternapf, damit sich die Katze nicht bücken muss. Probieren Sie einen weiteren Futternapf oder einen flachen Teller. Katzen mögen es nicht, wenn Sie mit Ihren Schnurrhaaren an ein Hindernis stoßen, und diese Abneigung kann im Alter wichtiger werden.

Achtung: Eine Katze sollte nie länger als 24 Stunden hungern, da es sonst zu irreparablen Schäden kommen kann.

Vermehrte Wasseraufnahme

Dies ist ein Hinweis auf Probleme mit den Nieren, der Schilddrüse oder Diabetes. Reden Sie mit Ihrem Tierarzt!

Um Ihre Katze zum Trinken zu animieren, sollten Sie eine Vielzahl von Wassergefäßen aufstellen. Versuchen Sie es ruhig mal mit unkonventionellen Dingen wie einem stabilen Weinglas. Probieren Sie unterschiedliche Arten von Wasser aus: Leitungswasser, Regenwasser, abgekochtes Wasser, etc. Manche Katzen bevorzugen fließendes Wasser. Wenn Sie den Wasserhahn nicht ständig öffnen wollen, können Sie einen Trinkbrunnen für Katzen versuchen.

Veränderungen in der Körperpflege

Oft können hier Schmerzen im Mundbereich oder Arthritis die Ursache sein. Mangelnde Fellpflege bei Langhaarkatzen kann zu schmerzhaften Verfilzungen führen. Verschluckte Haare werden im Alter schlechter verdaut und können häufige Erbrechen und Verstopfungen auslösen. Unterstützen Sie die Fellpflege Ihrer Katze durch Bürsten und sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt. Übermäßige Fellpflege kann auch ein Zeichen für Stress sein.

Ältere Katzen können Ihre Krallen schlechter zurückziehen und bleiben leichter hängen. Das beeinflusst auch die Krallenpflege. Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt über das richtige Krallenschneiden. Wenn Ihr Katze oft in Teppichen hängenbleibt, sollten Sie diese besser entfernen oder gegen kurzflorige Teppiche ersetzen. Kratzbäume werden seltener angenommen, da den Katzen das vertikal Kratzen schwerer fällt. Stellen sie horizontale Kratzflächen zur Verfügung.

Toilettenprobleme

Ältere Katzen werden nicht selten unsauber. Es kann sein, dass Ihre Katze  sich nicht mehr so gut zurechtfindet und die Toilette zu spät oder gar nicht mehr findet. Mitunter geht auch die Kontrolle über die Blasenmuskulatur verloren. Bestrafen Sie Ihre Katze nicht, sondern stellen Sie zusätzliche Katzentoiletten zur Verfügung. Auch Freigänger sind im Alter mitunter dankbar für eine Toilette im Haus, wenn sie weniger Zeit draußen verbringen. Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, ob ein medizinisches Problem besteht.

Krankheiten

Niereninsuffizienz ist häufig bei alten Katzen. Die Tiere nehmen ab und sind dehydriert.

Auch wenn das Altern selbst keine Krankheit ist, bringt es viele Krankheiten mit sich. Bei Katzen sind besonders die Nieren, die Schilddrüse, das Herz und der Bewegungsapparat betroffen. Zahnprobleme (z.B. FORL) sind im Alter häufig und auch Krebs betrifft viele Katzen. Oft treten diese Krankheiten in Kombination auf. Alterserkrankungen sind meist chronisch und benötigen eine lebenslange Behandlung. Für viele Krankheiten gibt es medizinische Unterstützung, die das Leben Ihrer Katze angenehmer und schmerzfreier machen. Reden Sie mit Ihrem Tierarzt und berichten Sie von Verhaltensänderungen und Auffälligkeiten.

 

Änderungen in der Haltung

Bei einer alten Katze können Veränderungen in der Haltung nötig werden. Neben den bereits beschriebenen Änderungen bei Ruheplätzen, Toiletten und Kratzbäumen sollten Sie auch den Freigang der Katze überdenken. Alte Katzen können sich schlechter gegen Artgenossen wehren. Da ihre Sinne nachlassen und die Reaktionsfähigkeit sinkt, werden Straßen gefährlicher. Der Gleichgewichtssinn nimmt ab, ein Sturz vom Balkon wird wahrscheinlicher. Verwirrte Katzen finden möglicherweise nicht mehr nach Hause. Beobachten Sie Ihre Katze und finden Sie wenn nötig den Zeitpunkt, an dem Ihre Katze das Haus nicht mehr oder nur in Begleitung verlassen darf. Oder sichern Sie Ihren Balkon oder Garten so, dass die Katze ihn nicht mehr verlassen kann.

Ältere Katzen werden zwar gemütlicher, sie spielen aber weiterhin. Spielen hält den Körper fit und Intelligenzspielzeug ist gut für den Geist. Motivieren Sie Ihre Katze zum Spielen. Größere Spielzeuge können nun interessanter sein, da sie das Treten mit den Hinterbeinen anregen, und das ist gut gegen steife Hinterbeine. Katzen lieben Kisten, auch im hohen Alter, doch der Zugang wird schwieriger. Legen Sie die Kiste auf die Seite, damit die Katze besser hineinkommt.

Der letzte Abschnitt

Manche Katzen verlassen uns ganz unerwartet und schnell. Andere haben einen langen Weg mit langsamen Verschlechterungen vor sich. Dieser Weg kann durchaus angenehm gestaltet werden und auch eine alte, kranke Katze kann ihre Zeit genießen. Während Ihre Katze altert, sollten Sie sich von einigen Regeln lösen. Gestehen Sie der Katze vielleicht dich zu an einem Ort zu schlafen, der vorher tabu war. Füttern Sie nicht nur gesundes, sonder auch dass, was der Katze schmeckt (solange es nicht giftig ist). Irgendwann kommt es nur noch darauf an, dass die Katze überhaupt frisst.

Und, so schwer es ist, machen Sie sich Gedanken über den Abschied. Wenn das Leiden zu stark wird, werden Sie vor der Entscheidung stehen, Ihr Tier einzuschläfern. Ein Tierarzt kann Sie dabei medizinisch beraten. Manche Tierärzte kommen zum Einschläfern nach Hause. Das erspart der Katze den Stress der Reise und ihr letzter Eindruck ist eine vertraute Umgebung. Auch für Sie als Halter kann das einfacher sein. Erlauben Sie sich und ihren menschlichen und tierischen Mitbewohnern Zeit zum Trauern. Und erinnern Sie sich an die schönen Zeiten mit Ihrem Stubentiger.

Der Fall von Arleesh

Bei einer Röntgenaufnahme wurde ein beginnender Knochentumor bei der mindestens 11 Jahre alten Arleesh festgestellt. Wir entschieden uns für eine Behandlung mit Kortison. Obwohl sie erblindete und nicht immer rechtzeitig die Katzentoilette fand, lebte sie noch sechs Monate. Sie zeigte kaum Veränderungen in der Aktivität, fraß gut und genoss die Aufmerksamkeit ihrer Menschen. Ihre Blindheit hielt sie auch nicht davon ab, den ihr vertrauten Kratzbaum zu benutzen, doch um ins Bett zu kommen, bauten wir ihr eine Treppe.

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