Erfolgreiche Herzoperation bei Katze Sylvie macht neue Hoffnung

In England gelang es nun erstmals, einen Herzfehler bei einer Katze mittels minimal-invasiver Chirurgie zu behandeln. Das Kitten Sylvie wurde mit einer doppelten rechten Herzkammer geboren, einem seltenen Herzfehler, der die Leistung des Herzens stark beeinträchtigt. Die Folgen sind eine Vergrößerung des Herzens und Atembeschwerden. Unbehandelt führt ein solcher Herzfehler nach einigen Jahren zum Tod.

Bisher waren Operationen bei Katzen nur am offenen Herzen möglich, da Katzenherzen als zu klein für minimal-invasive Eingriffe galten. Bei Hunden wird diese Methode schon länger eingesetzt. In Sylvies Fall entschieden die behandelnden Tierärzte im North Downs Specialist Referrals in Surrey, dass die Katze zu schwach für eine Operation am offenen Herzen sei und starteten einen bahnbrechenden Versuch, der selbst für Humanmediziner eine Herausforderung ist.

Durch einen Schnitt am Nacken wurden über eine Vene ein Herzkatheter mit zwei aufblasbaren Ballons in Sylvies Herz eingeführt. Der erste Ballon, ausgerüstet mit vier Schnittflächen, beseitigte die Verwachsung im Herzen. Der zweite Ballon wurde benutzt, um die so erweiterte rechte Herzkammer auszudehnen. Nach erfolgreicher Operation wurde die Wunde am Nacken mit zwei Stichen genäht. 48 Stunden später durfte Sylvie nach Hause. Ihr Zustand hat sich von schwerwiegend auf mild verbessert.

João Loureiro, der behandelnde Kardiologe, ist sehr stolz auf seinen Erfolg, denn der Besitzer der Katze hatte sehr viel Vertrauen in die behandelnden Ärzte. Doch auch medizinisch ist Sylvie Operation ein großer Schritt. Minimal-invasive Schlüsselloch-Chirurgie reduziert die Belastung für das behandelnde Tier und ist somit ein wichtiger Beitrag zum Wohlbefinden des Patienten. Die zu behandelnde Wunde ist kleiner und bietet damit weniger Risiko für Infektionen oder schlechte Wundheilung. Der Patient erholt sich dadurch schneller von der Operation.

Dan Brockman, Professor für Kleintierchirurgie am Royal Veterinary College in London, ist begeistert von der Methode und sieht in Zukunft neue Möglichkeiten für die Behandlung von Durchblutungsstörungen bei Katzen.

Minimal-invasive Chirurgie hat sich innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte in der Humanmedizin etabliert, vor allem bei Operationen im Bauchraum. Die Methode gilt als weniger belastend für den Patienten, verhindert größere und unschöne Narben und ermöglicht eine schneller Erholung.

Bei einer Bypass-Operation wird ein Ballon an einem Katheder in das verkalkte Herzkranz-Gefäß eingeführt und aufgeblasen. Dadurch weitet sich das Gefäß und der Blutfluss wird iweder ermöglicht.

In der Herzchirurgie die Schlüsselloch-Chirurgie jedoch noch selten und wird vor allem für Bypass-Operationen angewendet. Grund ist die hohe Anforderung an den Chirurgen. Während bei einer Operation am offenen Brustkorb das Herz gestoppt und der Patent an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen wird, schlägt das Herz bei der Schlüsselloch-Chirurgie weiter. Dies ist weniger belastend für den Patienten und senkt das Risiko, dass sich ein Blutgerinnsel bildet, erfordert aber deutlich mehr Präzision vom Chirurgen. Je kleiner das zu operierende Gefäß ist, desto schwieriger wird der Eingriff.

Häufiger ist der Einsatz der minimal-invasiven Chirurgie bei Herzklappenfehlern. Hier wird wie bei herkömmlichen Methoden das Herz gestoppt, denn an sich bewegenden Klappen kann nicht operiert werden. Nur wenige spezialisierte Herz-Chirurgen können diese Operation am Menschen durchführen. Man kann sich also vorstellen, welcher Herausforderung sich die britischen Tierärzte am kleinen Herzen von Sylvie gestellt haben.

Quelle: Feline heart surgery first is ‚way forward‘, Holly Kernot, Veterinary Times, 15. Dezember 2017

Titelbild: Katze Snickers bekommt eine Narkose auf einer Air Force Base; Foto von Airman 1st Class Erica Crossen [Public domain], via Wikimedia Commons

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