Studie: Früh entwöhnte Katzen werden leichter ängstlich und aggressiv

Eine Gruppe finnischer Forscher untersuchte mit Hilfe eines Fragebogens, wie sich das Alter, in dem Hauskatzen entwöhnt, also von ihrer Mutter getrennt wurden, auf das spätere Verhalten auswirkt. Dazu wurden die Daten von 5726 Katzen aus 40 Rassen ausgewertet. Die Forscher fanden heraus, dass Katzen, die vor der 15. Lebenswoche entwöhnt wurden, eine höhere Wahrscheinlichkeit hatten, scheu oder aggressiv zu werden. Sie zeigten im späteren Leben auch häufiger Verhaltensstörungen wie übermäßiges Putzen oder Wollsaugen.

Die Bindung zur Mutter ist für Kittens sehr wichtig – und einfach unsagbar schön. Foto JACLOU-DL via Pixabay

Die kritische Periode bei der Sozialisierung von Kittens liegt bei einem Alter von 2 bis 8 Wochen. Häufig werden die Kittens mit 9 Wochen entwöhnt und ihrem neuen Halter übergeben. Das Mindestalter von 8 Wochen wird auch von der Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals empfohlen. Die American Veterinary Medical Association hält ein Alter von 7 bis 9 Wochen für ideal, um in den neuen Haushalt umzuziehen. Die Humane Society of the United States empfiehlt, länger zu warten und die Kittens erst nach frühestens 12 Wochen von der Mutter zu trennen. Auch Verhaltensexpertinnen wie Mircea Pfleiderer und Birgit Rödder empfehlen, Kittens erst nach 3-4 Monaten zu entwöhnen, also mit frühestens 12 Wochen.

Die finnischen Wissenschaftler Milla Ahola, Katariina Vapalathi und Hannes Lohi von der Universität Helsinki untersuchten nun anhand eines Fragebogens, wie sich das Alter der Entwöhnung auf das Sozialverhalten und auf verschiedene Stereotypien auswirkt. Dazu werteten sie Fragebögen zu 5726 Katzen aus 40 Rassen aus.

Allgemein fiel auf, dass Verhaltensprobleme bei Katzen häufig sind. Bei 41% der untersuchten Katzen berichteten die Halter von zumindest leichter Aggressivität gegenüber anderen Katzen, bei 32% der Katzen gab es mindestens eine Phase des Wollsaugens. Wollsaugen wird häufig bei Katzen beobachtet, die früh entwöhnt wurden. Es wird vermutet, dass die Katzen mit dem Wollsaugen das Bedürfnis kompensieren, bei der Mutter zu saugen.

Kittens lernen von der Mutter und ihren Geschwistern soziales Verhakten und Selbstbewußtsein. Foto von TaniaVdB via Pixabay

Die Ergebnisse der Studie zeige auch, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Alter der Entwöhnung und dem Auftreten von Problemverhalten und Verhaltensproblemen. Katzen, die vor der 9. Lebenswoche entwöhnt wurden, zeigten am häufigsten Aggressionen gegen Fremde. Katzen die in der 15. oder 16. Lebenswoche entwöhnt wurden, zeigten signifikant weniger Aggressionen gegen Fremde. Am wenigsten Aggressionen gegen andere Katzen, Familienmitglieder und Fremde zeigten Katzen, die erst als Erwachsene oder nie entwöhnt wurden. Sie zeigten auch am seltensten Scheu vor neuen Objekten.

Die Häufigkeit von Stereotypien wie übermäßiges Putzen oder Wollsaugen nahm zu, je jünger die Katzen die bei der Entwöhnung waren. Diese Verhaltensweisen treten häufig bei scheuen und aggressiven Katzen auf, hier könnte also eine Verbindung bestehen. Die Autoren vermuten, dass die Stereotypien indirekte Folge der Scheue und Aggressivität sind.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Katzen umso entspannter und sozialer sind, je länger sie bei der Mutter bleiben konnten. Die Autoren empfehlen daher, Kittens erst nach frühestens 14 Wochen zu entwöhnen.

Die beschriebenen Verhaltensweisen sind nicht nur für den Besitzer störend, sondern können für die Katze sehr belastend und sogar gefährlich werden. Stereotypien sind oft Anzeichen von Stress oder Schmerzen. Durch stereotypes Verhalten werden Endorphine freigesetzt, die das Tier beruhigen. Sie lösen aber das zugrundeliegende Problem nicht. Gestresste Katzen, wie auch andere Tiere einschließlich uns Menschen, haben eine erhöhte Ausschüttung von Stresshormonen, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Zudem sind Katzen, die sich übermäßig Putzen anfälliger für Infektionen. Wollsaugen birgt die Gefahr, dass Fremdkörper verschluckt werden. Aggressive Katzen sind eine Gefährdung für die Halter und andere Tiere im Haushalt und werden nicht selten eingeschläfert. Die Autoren der finnischen Studie fordern daher nicht ohne Grund, beim Zeitpunkt der Entwöhnung das langfristige Wohlbefinden der Katze im Auge zu behalten.

Junge Kätzchen sind bezaubernd. Wer sie wirklich liebt wartet 3-4 Monate, bevor er sie mit nach Hause nimmt. Foto von Kadres via Pixabay

Doch nicht jede früh entwöhnte Katze wird zum Problemfall. Durch starke Zuwendung von Seiten der Halter und eine Umgebung, die die Katze geistig und körperlich fordert, kann Schaden zumindest reduziert werden. Wer also eine frühentwöhnte Katze besitzt, oder ein Not-Kitten aufnimmt, kann vorbeugen und der Katze bei einer gesunden sozialen Entwicklung helfen. Ansonsten gilt bei jeder Neuanschaffung Geduld bewahren, auch wenn das Kätzchen noch so süß ist. In den ersten vier Monate seines Lebens sollten Mama und Geschwister immer in Reichweite sein.

Originalstudie:

Ahola, M.K., Vapalahti, K. & Lohi, H., 2017. Early weaning increases aggression and stereotypic behaviour in cats. Scientific Reports, 7(1), p.10412.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.